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Auf den Kopf gestellt: Wie der Mittelstand mit IoT seine Chance ergreifen muss

Nach Web und Mobile öffnen sich mit IoT nun neue Möglichkeiten für den Mittelstand. Zum ersten Mal seit der digitalen Revolution spielt nicht nur Software, sondern auch Hardware eine Rolle. Eine alte Bekannte und die Chance für den Mittelstand. Es ist schon eine Weile her, dass der Mittelstand als Synonym für Innovation galt, einige Unternehmen waren beziehungsweise sind sogar Weltmarktführer – vor allem bei Hardware. Mittelständische Unternehmen sind grundsätzlich groß genug, um gut organisiert zu sein und Risiko-Budgets für digitale Innovationsprojekte zur Verfügung zu stellen – ein Vorteil gegenüber Startups. Gleichzeitig sind sie auch klein genug, um schnell und agil zu bleiben und zu experimentieren – ein Vorteil gegenüber Konzernen. Das perfekte Handwerkszeug also, um Innovationstreiber zu sein. Zudem haben sie auch genug Verständnis vom Markt und dessen Zugängen, scheinen aber diese Wettbewerbsvorteile im Kontext der digitalen Innovation nicht zu nutzen. Deshalb hier fünf Tipps, wie der ambitionierte Mittelstandschef im digitalen Zeitalter mithalten kann.

 

Unternehmerisches Mindset entwickeln

Jedes mittelständische Unternehmen hat als Startup angefangen, war schnell und innovativ. Doch wird das auch in der digitalen Welt gelebt? Es scheint, dass dem Mittelstand die Experimentierfreudigkeit fehlt, die jeder Mittelständler am Anfang seiner Unternehmensgeschichte gelebt hat. Die Digitalisierung sollte nicht als Problem, sondern als Chance verstanden werden. Anstatt sich zurückzuziehen und Startups das Feld zu überlassen, sollte der Mittelstand wieder in die Offensive gehen und schnell agieren.

Tipp: Das Einrichten von digitalen Experimentierfeldern ist die ideale Möglichkeit für Mittelständler, sich auszuprobieren. Zudem sollte dem digitalen Experimentieren in speziellen unternehmerischen Einheiten Raum gegeben werden. Diese Teams helfen dabei, Arbeits- und Innovationszyklen zu optimieren und eine gesunde Fehlerkultur zu etablieren.

 

Verständnis für Business-Paradigmen im digitalen Kontext entwickeln

Das Auftreten neuer digitaler Geschäftsmodelle war für den Mittelstand neu, die klassischen Business-Paradigmen gab es plötzlich nicht mehr. Allein die Sharing-Economy hat in den vergangenen Jahren viele neue Geschäftsmodelle hervorgebracht und nebenbei den Markt der Autobauer auf den Kopf gestellt – Startups arbeiten oft mit neuartigen Konzepten. Dazu gehört ein Fokus auf Plattformen und dem absoluten Fokus auf das veränderte Nutzungsverhalten durch digitale User-Interfaces oder neue Monetarisierungswege.

Tipp: Mittelständler müssen sich neuen Vertriebs- aber auch Business- und Preismodellen öffnen. Im Zuge dessen sollte auch das eigene Geschäftsmodell in einem Business-Modell-Experiment infrage gestellt werden – Unternehmen sollten sich nicht scheuen, auch „am offenen Herzen“ des eigenen Business Modell zu experimentieren.

 

Daten als Ressource und IoT als große Chance verstehen

Das Internet of Things (IoT) bietet wertvolle Möglichkeiten mit datengetriebenen oder kundenzentrischen Geschäftsmodellen die Innovationskraft von Unternehmen zu stärken. Werden Produkte und Services komplett am Kunden ausgerichtet und Hardware digitalisiert, können aus den Daten Ideen für weitere oder neue Kundenservices gewonnen werden. Der Mittelstand muss sich zukünftig operativ mit dem Potenzial datenbasierter Geschäftsmodelle beschäftigen und entsprechende Experten an Bord holen.

Tipp: An IoT führt für den Mittelstand kein Weg vorbei! Jeder Hersteller von Produkten oder Hardware muss prüfen, worin der vorgelagerte, nachgelagerte oder parallele digitale Mehrwert liegt und im nächsten Schritt schauen, ob er es selbst produzieren kann.

 

Sich dem Ökosystem öffnen und von Startups und Städten inspirieren lassen

Startups und mittelständische Unternehmen arbeiten völlig unterschiedlich: Wo der Mittelstand noch risikoscheu agiert und hinter verschlossenen Türen an inkrementellen Verbesserungen feilt, setzen Startups häufig auf disruptive Innovation und agile Arbeitsprozesse, Mut zum Scheitern inklusive. Ein weiterer Punkt: Städte wie Berlin, Paris, Tel Aviv und New York City haben sich als Startup-Hochburgen etabliert und haben gewaltige Märkte erschlossen – hier entsteht neues Potenzial für den Mittelstand!

Tipp: Sich von Startup-Prozessen inspirieren lassen! Entweder durch Kollaborationsprojekte mit Startups oder anderen Mittelständlern, um Geschwindigkeit in die eigenen Geschäftsprozesse zu bringen. Neugier, gegenseitiges Verständnis und eine offene, transparente Kommunikation sind der Schlüssel für eine fruchtbare Zusammenarbeit.

 

Eigene digitale Innovations-DNA entwickeln

Mittelständler arbeiten nicht wie Startups, aber auch nicht wie Großkonzerne. Sie müssen entsprechend ihrer Historie und Kultur eine eigene digitale Innovations-DNA entwickeln und dabei zwischen Hardware- und Software-Innovation unterscheiden. Die Digitalisierung von Prozessschritten und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sind zwei verschiedene Herangehensweisen und müssen dementsprechend auch separat voneinander betrachtet werden. Indem mittelständische Unternehmen weiter ihren Fokus auf ihr Hauptgeschäft setzen, diesem aber dennoch gewisse Spielräume gestatten, bleiben sie sich selbst treu. Jedes Unternehmen sollte für sich festlegen, welche Industrien und Märkte es einnehmen will und sich dort als potenzieller Software- beziehungsweise IoT-Innovator verstehen – mit Fokus auf das bestehende Kerngeschäft.

Tipp: Eine eigene digitale Innovationsorganisation aufzubauen, die nicht den internen Standardprozessen unterlegen ist, sondern Möglichkeiten für mehr Freiraum lässt – anders denken als die letzten 50 Jahre! Hier sollten junge und ältere, interne und externe Mitarbeiter zusammengebracht werden, die vom gegenseitigen Austausch profitieren können. Auch der digitale Wissensstand muss dabei nicht zwangsläufig auf einem Level sein. Empfohlen wird hier auch eine pluralistische Herangehensweise, also nicht nur ein großes Projekt, sondern mehrere kleine.

 

Fazit: Mittelständler sind die perfekten Innovatoren

Es wird oft gepredigt, dass mittelständische Unternehmen zu Startups werden sollen – sie müssen aber weiter das tun, worin sie gut sind. Mittelständler können auf eine solide Organisation zurückgreifen und aufgrund ihrer kleinen Unternehmensstruktur schnell und flexibel bleiben. Die Unternehmen sind sich bewusst, dass sie innovativ sein müssen, wissen aber oft nicht, wie und wo sie ansetzen sollen. Denn bei Innovationen geht es nicht nur um Technologie – in erster Linie spielt die Unternehmenskultur und der Organisationsaufbau eine entscheidende Rolle. Oftmals agiert der Mittelstand wie großer Tanker, ist schwerfällig, unflexibel und langsam. Aber neben dem großen Tanker, der nur schwer vom Kurs abweicht, muss er in Schnellboote investieren, die Innovationen beschleunigen. Indem der Mittelstand mit Startups zusammenarbeitet, kann er seinen Tanker auf einen neuen Kurs bringen.

 

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Artikel der T3N – den vollständigen Beitrag findest du hier.

Darius Moeini

Darius Moeini

After a few years with corporates and consulting firms, Darius began his entrepreneurial path in 2010 and launched startups in the fields of location-based services, content platforms, and e-commerce. For 5+ years, he's involved as founder and director in various innovation hubs in Berlin, including NUMA Germany. Today, Darius runs Berlin Innovation Agency (BIA) and drives projects around intrapreneurship and agile performance for Executives.
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